Landesverband Sachsen-Anhalt
10.3.2010
| Hartz IV-Empfänger - Die Juden des 21. Jahrhunderts? Eine Magdeburgische Politsatire |
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| Magdeburg |
| Donnerstag, 04. Februar 2010 um 15:38 Uhr |
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Es gibt auch einen wesentlich einfacheren. Man erfindet einfach ein Gesetz, lässt ihm von einem geistig behinderten und alkoholkranken Kenner der römischen Ziffern einen nach einem deutschen Mittelgebirge klingenden Namen geben und diskriminiert mit einem Schlag ein paar Millionen eigentlich überflüssiger Zeitgenossen zur Unterschicht. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man spart sich das Drucken der kleinen „Für Diesen und Jenen verboten"-Schildchen, schützt die bessere Gesellschaft im Theater vor den Parias und braucht keine Angst davor zu haben, dass der Sozialabschaum die Straßen verstopft. Und mal ehrlich, wen würde es schon stören, wenn man die sowieso schon gesellschaftlich ausgeschlossenen Parasiten irgendwo konzentriert einlagern würde - vielleicht mal abgesehen von denen, aus denen man mittels legalisierter Zwangsarbeit noch ein wenig Profit herauspressen kann? So etwas, oder zumindest so etwas ähnliches müssen sich auch die Damen und Herren Künstler des Magdeburger Kabaretts „Die Zwickmühle", (ersatzweise vielleicht auch nur deren mit der Programmheftgestaltung beauftragter Designer) gedacht haben, als sie ihren Spielplan für die Monate März und April 2010 unters Volk brachten. Das dieses Heft insbesondere bei denen, die keinen Hartz IV-Bescheid in der Jacke tragen, lautes Skandalgeschrei provoziert, ist nicht verwunderlich. Zeigt das Titelblatt dieser Veröffentlichung doch den im unverwechselbaren Auschwitz-Layout gestalteten und auch inhaltlich daran angelehnten Vers „HARTZ IV MACHT FREI", während im Vordergrund des Bildes Hessens Ministerpräsident und Hartz-Hetzer Roland Koch in einer an den SS-Rock erinnernden Phantasieuniform paradiert. Gewissermaßen ein Heinrich Himmler für Hartz IV-Empfänger.
Das erste und bisher lauteste Wehklagen ob dieser Veröffentlichung kam vom roten Magdeburger Grünenstadt Sören Herbst. Der selbsternannte Wächter über die politische Korrektheit von Kabarettprogrammtitelseitenfotomontagen bezeichnet die Veröffentlichung als „eine kaum zu ertragende Relativierung des Holocausts, der nach industriellen Maßstäben betriebenen Vernichtung der Juden. Wer die Sorgen und Nöte von Hartz-IV-Empfängern mit der Lage von Millionen Juden gleichsetzt, die in den Vernichtungslagern auf ihre Vergasung warten mussten, der sollte seine Maßstäbe einmal von Grund auf genau unter die Lupe nehmen", so der Pfarrerssohn. Herbst forderte die für die Veröffentlichung verantwortlicher Komödiantentruppe auf, sich bei den Opfern zu entschuldigen. Ob Herbst den „Zwickmüllern" auch mitteilte, wohin sie das geforderte Entschuldigungsschreiben richten sollen, ist derzeit nicht bekannt. |